Sitzungsarbeit



Die Gelassenheit ist eine anmutige Form des Selbstbewusstseins.”

Marie Ebner von Eschenbach



Was bedeutet Sitzungsarbeit?
Hat sich eine Person für das Geistige Forschen entschieden, so wird der Forscher von einem Lotse gebeten, in einem Interview ausgiebig über sein Leben zu sprechen. Gegenstand der gemeinsamen Betrachtung sind sowohl seine oder ihre Ziele, Wünsche und Träume als auch die entgegenstehenden Probleme, Konflikte und inneren Stops.
Wer und wie möchte er oder sie sein? Was möchte der Forscher tun? Und was schließlich erreichen?
In dieser ersten Sitzung mit dem Lotsen wird noch nicht nach den Ursachen der Konflikte geforscht, sie dient vielmehr einer ersten Bestandsaufnahme. Es werden lediglich genügend und möglichst genaue Daten gesammelt, um schließlich ein gemeinsames Ziel definieren zu können. Denn nur wenn beide wissen, wohin die Reise gehen soll, kann auch eine fruchtbare und erkenntnisreiche Zusammenarbeit entstehen.


Bild von Karsten Winegeart aus Unsplash


Um spannungsgeladene Gebiete genau identifizieren zu können, benutzt der Lotse einen Mindwalker. Dieser wird in den Händen gehalten, nimmt selbst feinste Anspannungen auf und zeigt sie auf einer Skala an - er ist ein Kompass auf dem Weg zur Erkenntnis.
Er ersetzt zwar nicht die lebendige Kommunikation mit dem Sitzungspartner, ist aber ein wichtiges Hilfsmittel bei der Ortung von Konflikten die sich so schwach körperlich äußern können, dass mit dem Auge allein keine Veränderung des Gesichtsausdrucks oder der Körperhaltung erkennbar ist.
Bei dem Interview nennt der Forscher oder die Forscherin die Themenpunkte oder auch Postulate.
Positive Postulate bringen ihn weiter: „Ich schaffe das, das lerne ich, ich kann das!“.
Negative stoppen ihn:  Erfahrungen, die er einmal gemacht hat und die ihm die Gewissheit verschafft haben: „Ich bin zu klein, ich krieg das nicht hin, das geht nicht!“. Diese gegensätzlichen Betrachtungen existieren nun gleichzeitig im Unterbewusstsein.
Er hängt bildlich gesprochen zwischen dem Plus- und dem Minuspol einer Batterie, deren Spannung er selbst hervorruft, indem er nicht anders kann als abwechselnd „Ich kann das“ und „Ich kann das nicht“ zu denken. Ein spannungsvoller Konflikt – und als Ergebnis: ein Gefühl von Ohnmacht und Bewegungslosigkeit.
Das sind die Daten, die der Lotse in der ersten Interview-Sitzung findet. Er analysiert sie sehr sorgfältig unter verschiedenen Gesichtspunkten: Welcher Konflikt steht im Vordergrund? Wie zeigt sich dieser in welchen Lebensbereichen? Der Themenpunkt oder das Postulat, das am meisten Spannung erzeugt, wird als erstes bearbeitet.
Der Lotse muss in der Lage sein, das Leben seines Sitzungspartners mit dessen Augen zu betrachten. Es ist nicht maßgeblich, was er darüber denkt. Wie er sich bei den genannten Erfahrungen fühlen würde. Von Interesse sind einzig und allein die Diskrepanzen im geistigen Raum seines Sitzungspartners  - die Brüche in dessen Integrität. Hat er den möglichen Dreh- und Angelpunkt gefunden, der am schnellsten Erfolg verspricht, dann kann die Arbeit beginnen.

Während der nun folgenden Sitzungen wird der geistige Forscher gebeten, sich konkrete Erfahrungen von allen Seiten zu betrachten.




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Dazu ein Beispiel aus einer Sitzungsarbeit
(Lotse=kursiv, Forscher=normal)
Der Forscher kam mit folgendem Anliegen: er fühlt sich bei zuviel Arbeit auf dem Schreibtisch zu klein und unfähig die Sache in die Hand zunehmen.
Zu dem Postulat „Ich bin zu klein“ fällt dem Forscher der Fahrradunfall mit 4 Jahren ein.
Gut.
Völlig vergessen bisher.
Erinnere Dich daran! Versetze dich in die Situation von damals! Erlebe ihn wieder und erzähle mir das Geschehen in allen Einzelheiten, so als würde es hier und jetzt geschehen.
Was siehst du? Was fühlst du? Was denkst du?

Ich bin zu klein! Und zwar in dem Moment als ich die Kontrolle über mein Fahrrad verliere und es passiert zu viel und alles auf einmal und da ist dieser Berg aus Sperrmüll und ich rase hinein, Schmerzen, Blackout. Ach du je! Wenn sich Liegengebliebenes auf meinem Schreibtisch türmt dann nenn ich es immer Müll (er lacht, weil er eine Verbindung zum Sperrmüll sieht). Und dann trau ich mich nicht dran den Müll aufzuräumen.
Kannst du es bitte nochmal erzählen!
Aha! Ich hatte versprochen, mit dem Fahrrad erst einmal auf ebenem Gelände zu üben. Und mein Freund hat gesagt: du bist zu klein. Also los! Dem zeig ich´s! Ich bin groß genug! Die steile Straße hinunter. Der Müll. Der Schmerz.
Was genau ist da passiert?
Oh ja das Bein ist gebrochen und ich kann mich nicht mehr bewegen. Noch sechs Wochen nicht, denn da war ja der Gips.
Was ist das Gute daran, das es Dir passiert ist?
Viel Besuch, vor allem im Krankenhaus und viele Geschenke zum Trost. Die hat man mir immer in den Schoß gelegt. Aha! Das ist heute noch so. Wenn ich viel Arbeit vor mir habe, dann muss ich mich erst mal ausruhen und mir was gönnen und ich denke außerdem, dass es mir irgendwann schon in den Schoß fallen wird, ohne dass ich viel dazu tun muss (er lacht).
Was nimmst du dir denn an deinem Fahrradunfall so übel, dass du ihn vergessen musstest?
Ich wusste einfach, dass ich noch Übung brauche, aber mein Freund hat mich überreden können.
Ich habe ihm mehr geglaubt als mir selbst. Da habe ich mir wohl in die Taschen gelogen.
Verblüffung: So einfach war das! Der Forscher freut sich und am Spannungsmesser zeigt sich die Harmonisierung.
Ende der Sitzung.


Der Forscher wird mit Hilfe des Lotsen durch sämtliche Geschehnisse hindurch begleitet, die in Verbindung mit dem Postulat stehen – so das die Zusammenhänge sichtbar werden.
Dabei wird der Lotse niemals bewertende oder gar abwertende Bemerkungen machen. Keine Tipps und Ratschläge geben. Er achtet lediglich darauf, dass der Forscher alles, aber auch wirklich alles erinnert und erzählt, damit der Konflikt auf seinen Ursprung zurückgeführt werden kann.
Selten ist die zuerst erinnerte Situation schon das Basisgeschehnis, in welchem der Konflikt seinen Anfang nahm. In den meisten Fällen liegt dieses wesentlich früher in der Zeit und spätere ähnliche Begebenheiten sind nur Illustrationen des Grundthemas.
Der Aufbau ähnelt dem einer Zwiebel. Erfahrungen werden über Erfahrungen gelegt. Und diese müssen in der Geistigen Forschung Häutchen für Häutchen abgetragen – beleuchtet und erkannt – werden. Da können schon mal die Augen tränen.
Der Forscher wird sich an vorgeburtliche Geschehnisse erinnern, an Erfahrungen früherer Existenzen mit oder sogar ohne Körper. Bis der Moment gefunden wird, als er das allererste Mal beschließt: „Ich bin zu klein“ und die dazu gehörenden Zusammenhänge anschauen kann.
Der geistige Forscher erinnert sich völlig freiwillig. Er wird nicht geführt, sondern lediglich begleitet. Er selbst gibt das Ziel vor.
Den Lotsen interessieren die Erkenntnisse seines Sitzungspartners und seine Erleichterung, die immer dann eintritt, wenn er eine persönliche Wahrheit gefunden hat. Das ist die Richtschnur, an der sich beide orientieren. Wenn ein Basisgeschehnis – und es ist immer ein konkretes – in allen Einzelheiten erkannt wurde, dann endlich ist der Konflikt gelöst.
Das Postulat hat keine Wirkung mehr. Der Mensch kann wieder unbefangen an Tätigkeiten und Arbeiten herangehen ohne sich selbst im Weg zu stehen.
Der geistige Forscher ist nun aufgefordert seine gewonnenen Erkenntnisse in sein alltägliches Leben zu integrieren. Natürlich muss er das jetzt üben. Er hat es in der Realität sehr lange nicht oder nur unter großem inneren Druck geschafft.
Die ersten Herausforderungen im alltäglichen Leben müssen bestanden werden, die Sicherheit muss wachsen. Sein Lotse ist ihm eine persönliche Unterstützung bis er erste Erfolge hat und sich selbst sicher ist, wie in unserem Beispiel: „Ich kann das tun, was ich mir vornehme – von wegen zu klein!“ Damit ist dieser Zyklus beendet.


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Infos für den Forscher
Der geistige Forscher sollte Offenheit und Vorurteilslosigkeit mitbringen - die Bereitschaft gewohnte Denkstrukturen zu verlassen, um Ungewohntes mit Interesse betrachten zu können. Er selbst trägt die Verantwortung für die Verbesserung seiner Lebensumstände.
Wir geben ihm das Werkzeug in die  Hand, womit er sich seinen Weg freimachen kann, sowie die Anleitung es richtig zu gebrauchen. Den Weg gehen und sauber halten, muß er selbst.
Geistige Forschung will Ihnen zur Selbstbestimmtheit verhelfen. Selbstbestimmtheit. Geistige Forschung erfordert Konzentrationsfähigkeit und Durchhaltevermögen.
In der Geistigen Forschung wird keine Weltanschauung, Ideologie, Geheimlehre oder Religion vermittelt. Es geht ausschließlich um Hilfe zur Selbsthilfe.
Wir helfen dabei Unverdautes und Unerledigtes wieder sichtbar zu machen, damit vergangene Situationen nicht länger in die Gegenwart hinein wirken können.
Das ist eine sehr persönliche Erkenntnisarbeit, denn nur die Person selbst kann die Ursachen ihrer Schwierigkeiten erforschen, erkennen und sich davon befreien.
In der Geistigen Forschung kommt es vor, daß man mit völlig neuen Seiten seiner selbst konfrontiert wird. Manchmal ist das erstaunlich, manchmal erfreulich, manchmal auch heftig. Damit umzugehen erfordert Mut und Standvermögen.
Der geistige Forscher sollte  ein großes Maß an Unvoreingenommenheit mitbringen.
Er wird im Rahmen seiner geistigen Forschungen auf Daten und Begebenheiten stoßen,
die so nicht in seinen Geschichts- und Religionsbüchern standen und die sein gewohntes Weltbild erschüttern können.
Wir trainieren individuelle Wahrnehmungsfähigkeit und Verantwortlichkeit.
Von der ersten Sitzung an ist die geistige Forschung ein Lernprozeß. Man lernt sich selbst kennen und seinen eigenen Beobachtungen wieder zu trauen, ganz unabhängig von dem, was andere denken, sagen und glauben.
Die Möglichkeit von Reinkarnation und vorgeburtlicher Wahrnehmungsfähigkeit sollte zumindest in Betracht gezogen werden können.


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Glossar
Lotse: ein geschulter Zuhörer
Wer einem anderen Kraftquelle und Orientierung auf seinem Weg zu geistiger Freiheit sein will, der sollte mit sich selbst soweit im Reinen sein, daß er in der Lage ist, seinem Gegenüber einen offenen, vorurteilsfreien Raum zur Verfügung zu stellen. Diese Haltung hat sich der Lotse schon erworben. Durch eigene Forschungssitzungen und durch Erlernen der Methoden geistiger Kommunikation. Er weiß, daß er sich in Sitzungen mit seinem Pionier niemals persönlich betroffen fühlen darf. Denn dann wäre es ihm nicht mehr möglich seine freundliche und interessierte Haltung bewahren. Sollte er es doch einmal zugelassen haben, daß ein Erlebnisbericht seines Pioniers bei ihm eine Resonanz findet, so ist er verpflichtet, dies in einer eigenen Sitzung zu bereinigen um wieder den Kopf oben zu haben, selbst wenn es rauh zugeht. Der angehende Lotse hat schon bei seiner Ausbildung zum Forscher das wichtigste Handwerkzeug kennengelernt. Nun lernt er es noch besser kennen im Hinblick darauf, wann und wo es zum Einsatz kommt. Jeder Pionier ist anders. Jeder Fall anders gelagert. Keine Sitzung gleicht der anderen. Die Kunst besteht darin,  im richtigen Moment die richtige Methode zur Verfügung zu haben und das mit Leichtigkeit. Das braucht Übung. Seine Erfahrungen macht er, indem er Pioniere als Lotse begleitet. Er lernt, während er es tut. Dabei arbeitet er zunächst noch aufs engste mit seinem Ausbilder zusammen, der ihn korrigiert, lobt, auf Fehler hinweist und Erfolge mit ihm feiert. Hat er schließlich drei Pioniere bis zu deren Selbständigkeit gelotst und dabei seine Sache gut gemacht, so ist seine Lehrzeit beendet und er kann ohne Lehrmeister arbeiten, wenn er das wünscht.
Interview:  ausführliche  Bestandsaufnahme über das persönliche Leben: Lebenssituationen, Konflikte, Träume, Ziele
Mindwalker: Er nimmt selbst feinste Anspannungen auf und zeigt sie auf einer Skala an. Der Forscher hält die Kontakte des Spannungsmessers in den Händen.
Postulat: selbsterschaffene Annahmen und Wahrheiten auf Grund von Erfahrungen
Glaubenssätze  mit denen der Forscher in seinem Leben übereinstimmt, welche sein Leben bestimmen und mit denen er sein Leben gestaltet.
Erkenntnis: etwas erkennen, eine Einsicht in Erlebtes, Erfahrenes, Beobachtetes, mit dem Ziel, die Wahrheit zu finden; Ergebnis des Erkennens; das was man erkannt hat – Wissen um die Wahrheit
Geist, geistiger Raum: das Denkende, erkennende Bewußtsein des Menschen, im Unterschied zur empfindenen Seele; , die Vorstellung, die Art , die Beschaffenheit, das Wollen, das Streben die Gesamtheit aller nicht materiellen Eigenschaften

Hilfe zur Selbsthilfe: das Prinzip, das Maßnahmen zu Grunde legt, die den Not leidenden Menschen (z. B. den Mittellosen, den Patienten) dazu befähigen, sich selbst zu helfen bzw. sich selbst Hilfe zu organisieren.